Ein Hosting-Wechsel gehört zu den Projekten, die Händler gern aufschieben. Die Sorge ist nachvollziehbar: Während des Umzugs könnten Bestellungen verloren gehen, Marktplatz-Abgleiche ins Leere laufen oder Bestellmails im Spam landen. Mit einem klaren Ablauf lässt sich ein Shop aber so umziehen, dass Kunden davon praktisch nichts bemerken. Dieser Leitfaden beschreibt das Vorgehen, das sich bei Shopware, PrestaShop, WooCommerce und JTL-Shop gleichermaßen bewährt – mit den Stellen, an denen es in der Praxis am häufigsten hakt.
Schritt 1: Bestandsaufnahme vor dem ersten Kopiervorgang
Bevor eine einzige Datei kopiert wird, gehört alles auf den Tisch, was am alten Server hängt. Dazu zählen nicht nur Shop-Dateien und Datenbank, sondern auch:
- Cronjobs: Feeds für Preissuchmaschinen, Lagerabgleich, Sitemap, Bereinigungen, bei Shopware die Scheduled Tasks und Queue-Worker.
- Schnittstellen: Warenwirtschaft, Marktplatz-Connectoren, Zahlungsanbieter, Versanddienstleister. Viele davon schützen sich über IP-Freigaben – die neue Server-Adresse muss dort vorab eingetragen werden.
- Mail-Versand: Über welchen Server gehen Bestellbestätigungen raus? Welche SPF-, DKIM- und DMARC-Einträge existieren?
- Sonderkonfigurationen: PHP-Version und -Einstellungen, Weiterleitungen, geschützte Verzeichnisse, eingebundene externe Dienste.
Diese Liste ist später gleichzeitig die Checkliste für den Test.
Schritt 2: DNS-TTL frühzeitig senken
Die Time-to-Live (TTL) eines DNS-Eintrags bestimmt, wie lange Resolver eine Antwort zwischenspeichern. Steht sie auf 24 Stunden, sehen manche Besucher die neue Adresse erst einen Tag nach der Umstellung. Deshalb wird die TTL der relevanten Einträge (Shop-Domain, www, gegebenenfalls Subdomains für Medien) mindestens ein bis zwei Tage vor dem Umzug auf wenige Minuten gesenkt. Wichtig: Die Absenkung wirkt erst, nachdem die alte TTL einmal abgelaufen ist. Nach dem Umzug wird sie wieder erhöht.
Schritt 3: Neue Umgebung aufbauen und unter einer Vorschau-Adresse testen
Auf dem neuen Server entsteht eine vollständige Kopie des Shops – mit passender PHP-Version, Datenbank, Cache und Hintergrunddiensten. Getestet wird nicht über die echte Domain, sondern über eine Vorschau-Adresse oder einen Eintrag in der lokalen Hosts-Datei. So lässt sich der Shop auf dem neuen Server prüfen, während Kunden noch auf dem alten einkaufen.
Geprüft werden mindestens: Startseite, Kategorie- und Produktseiten, Suche, Warenkorb, Checkout mit jeder Zahlungsart im Testmodus, Kundenkonto, Bestellmails und die Funktion der wichtigsten Erweiterungen. Bei der Gelegenheit zeigen sich Unterschiede in der Serverkonfiguration, die vorher niemand kannte – etwa fehlende PHP-Erweiterungen oder abweichende Schreibrechte.
Schritt 4: Daten vorab spiegeln, am Stichtag nur noch das Delta
Große Shops bestehen zum Großteil aus Mediendateien, die sich selten ändern. Diese werden in den Tagen vor dem Umzug vollständig übertragen und dann regelmäßig abgeglichen, sodass am Stichtag nur noch die Änderungen der letzten Stunden fehlen. Mit Werkzeugen wie rsync dauert dieser Delta-Sync auch bei vielen Gigabyte meist nur Minuten. Die Datenbank wird dagegen erst im eigentlichen Umzugsfenster final kopiert, weil sich dort jede Bestellung niederschlägt.
Schritt 5: Das kurze Bestellstopp-Fenster
Ganz ohne Unterbrechung geht es bei einem klassischen Shop nicht, aber sie lässt sich auf wenige Minuten verkürzen. Der Ablauf:
- Zu einer umsatzschwachen Zeit wird der alte Shop in den Wartungsmodus gesetzt. Ab jetzt entstehen keine neuen Bestellungen mehr.
- Die Datenbank wird gesichert, übertragen und auf dem neuen Server eingespielt, gefolgt vom letzten Delta-Sync der Dateien.
- Ein kurzer Funktionstest auf dem neuen Server, idealerweise mit einer echten Testbestellung.
- Der DNS-Eintrag wird umgestellt. Dank niedriger TTL landen die meisten Besucher innerhalb weniger Minuten auf dem neuen Server.
- Der alte Shop bleibt im Wartungsmodus – damit niemand, dessen Resolver noch die alte Adresse kennt, dort bestellt.
Bei gut vorbereiteten Umzügen liegt das Fenster typischerweise im Bereich einer halben Stunde, oft darunter.
Schritt 6: Hintergrunddienste und Schnittstellen umstellen
Jetzt kommen die Punkte, die beim Umzug am häufigsten vergessen werden. Cronjobs müssen auf dem neuen Server laufen – und auf dem alten abgeschaltet werden, sonst laufen Exporte doppelt oder ein veralteter Lagerbestand überschreibt den aktuellen. Webhooks von Zahlungsanbietern zeigen meist auf die Domain und funktionieren automatisch mit; IP-Freigaben bei Warenwirtschaft, Marktplatz-Connectoren oder Versanddienstleistern dagegen nicht. Beim JTL-Shop muss der Abgleich mit der JTL-Wawi den neuen Server erreichen. Bei Shopware laufen die Queue-Worker erst, wenn sie auf dem neuen System als Dienst eingerichtet sind.
Schritt 7: Mails nicht vergessen
Versendet der Shop seine Mails direkt vom Server, ändert sich mit dem Umzug die absendende IP-Adresse. Fehlt sie im SPF-Eintrag der Domain, stufen Mailprovider Bestellbestätigungen als verdächtig ein. Deshalb wird der SPF-Eintrag vorab um die neue Adresse erweitert, DKIM-Signaturen werden auf dem neuen System eingerichtet und nach dem Umzug mit einer Testbestellung an mehrere Mailprovider geprüft. Robuster ist ohnehin der Versand über einen dedizierten Mail-Dienst, dessen Einstellungen sich beim Hosting-Wechsel nicht ändern.
Schritt 8: Nachkontrolle und Rückweg
In den ersten Tagen nach dem Umzug lohnt sich ein genauer Blick auf Fehlerprotokolle, Antwortzeiten, Bestellmails und Abgleiche. Der alte Server wird nicht sofort gekündigt, sondern bleibt einige Tage als Rückfalloption erhalten – mit eingefrorenem Datenstand und klarer Regel, ab wann ein Zurück nicht mehr sinnvoll ist, weil auf dem neuen System schon zu viele Bestellungen entstanden sind.
Umzug zu Shopexperten
Wenn Sie zu uns wechseln, übernehmen wir diesen Ablauf vollständig: Bestandsaufnahme, Aufbau der Umgebung auf unserem Cluster in der EU, Test unter einer Vorschau-Adresse, Umzugsfenster zu einer ruhigen Zeit und Nachkontrolle. Den Aufwand nennen wir vorab im Angebot. Passende Pakete gibt es für Shopware, JTL, PrestaShop und WordPress bzw. WooCommerce; eine Übersicht aller Pakete und unser Sicherheits- und Backup-Konzept finden Sie auf der Seite Hosting bei Shopexperten. Wer eine JTL-Wawi in ein Rechenzentrum verlegt, findet weitere Hinweise im Beitrag JTL-Wawi Cloud.
Häufig gestellte Fragen
Wie lange ist mein Shop beim Umzug offline? Bei guter Vorbereitung nur für das kurze Fenster, in dem die Datenbank final übertragen und die DNS-Umstellung vorgenommen wird – typischerweise eine halbe Stunde oder weniger, zu einer umsatzschwachen Zeit.
Verliere ich beim Umzug Rankings bei Google? Nicht, solange Domain, URL-Struktur und Inhalte gleich bleiben. Ein Hosting-Wechsel ist für Suchmaschinen ein Serverwechsel, keine neue Website. Wichtig ist, dass der neue Server mindestens genauso schnell antwortet.
Was passiert mit Bestellungen, die während der DNS-Umstellung entstehen? Der alte Shop bleibt nach dem finalen Datenbankabzug im Wartungsmodus. Dadurch entstehen dort keine Bestellungen mehr, die auf dem neuen System fehlen würden.
Muss ich meine Mail-Postfächer mit umziehen? Nur, wenn sie bisher beim selben Anbieter liegen. Shop-Hosting und Postfächer lassen sich trennen; wichtig ist nur, dass SPF und DKIM für den Versand aus dem Shop korrekt gesetzt sind.
Sie planen einen Hosting-Wechsel? Fordern Sie auf der Seite Hosting bei Shopexperten ein Angebot an – inklusive Umzugsplan für Ihren Shop.